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3.Teil |
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DAS GESPRÄCH
Dunkler kann die Nacht nicht mehr werden; immer noch streifen
die Tiergötter umher. Streunen ins Ungewisse, treffen auf namenlose,
atemlose Wesen. Aus Höfen, Gärten, vom Fluß, von wo auch immer
ertönen seltsame Laute. Ein Fauchen, Miauen und Klagen kratzt
an den Mauern der Stadt. Längst wieder wach geworden, liegt Alban
dennoch stumm in seinem Behälter. Da tappt einer schimpfend näher,
entfernt sich, dreht bei, steuert unsicheren Schritts, doch haarscharf
genau auf Albans stillen Winkel. Sieht nichts. Stolpert natürlich.
Segelt mit Knall und Fall über die Kiste. Ich hab das kommen sehen,
denkt Alban, der doch in seinem Versteck keinen blassen Schimmer
hat von der Welt.
Au wei! Ach weh! Was geschieht mir?"
Denk drüber nach", verkündet der ärgerliche Unsichtbare aus seiner
Kiste.
Kein Wort fällt. Nur verhaltenes Schluchzen und Schniefen.
Wollt sagen, denk laut drüber nach", befiehlt Alban.
Nach weiterem Schnaufen und Grübeln eine klägliche Antwort:
Au wei! Das tut weh! Ich kann doch im Dunkel nicht denken."
Ob duster, ob hell, setz gefälligst dein bißchen Verstand ein!
Au weia! Jetzt fällt es mir wieder klar ein. Ich hab heut das
Denken zu Hause gelassen. Glaub mir. Ich bin zu doof, um zu lügen.
Meine Frau sagt noch, hast Du deinen Verstand auch beisammen?
Sagt sie und ich sag, den geb ich wohl besser bei dir ab, sonst
geht er mir im Trubel verloren."
Ohne Verstand durch die Nacht. Das ist zu blöde! Dummköpfe stolpern
doch mehrfach. Das weiß jedes Kind. Fallen stets über die gleiche
alte Kiste. Verprügeln sollte man dich dafür. Immer mit dem selben
krummen Stock."
O wei! Ach, straf mich nicht. Ich hab doch schon jetzt alle Glieder
zerbrochen."
Hört, hört! Ich sehe, Du bist genug bestraft, armer Mann. Drum
will ich Dir helfen. Hör deshalb gut zu; wiederhol mit Bedacht!"
Ich soll mit Bedacht wiederholen? Mit Verlaub: Mit Bedacht. "
Schweig, du Klotz. Was ich Dir gleich sage: Bald kommt die Rettung
"
"
Mann, sprich mir nach! Sonst wirkt der Zauber nicht! Gleich kommt
die Rettung!"
Aha. Gleich kommt die Rettung
"
in Gestalt von Alban, dem Diener
"
In Gestalt von wem?"
Von ALBAN, dem Diener. Er wird erscheinen, Dich aufrichten, trösten
"
Wozu erst aufrichten? Mich soll er besser tragen und trösten!"
und treulich zu Frau und Verstand nach Hause führen."
Zu Frau und Verstand? Bis nach Hause? Das ist klug."
Dafür nimmst Du ihn bei Dir als Diener auf. Geschieht dies jedoch
nicht, so
"
Au wei! Sprich nicht weiter. So wird es sicher geschehen. Unser
Haus kann einen Dienstboten gut brauchen."
Fügt sich da nicht etwas wunderbar zusammen? Also befiehlt Alban
dem Nachtschwärmer, die Augen zu schließen und fest an das Gute
in den Göttern zu glauben. Derweil gleitet er aus der Kiste, betritt
die Szene als der, der er ist, hilft dem Verletzten auf und geleitet
ihn sicher zurück. Im Haus des neuen Herrn findet Alban gleich
seinen Platz. Die strenge Frau und Alban der Diener entkleiden,
waschen und versorgen den armen Mann. Der bekommt ein sauberes
Hemd angezogen, eine Zipfelmütze aufgesetzt, wird ins Bett gelegt
und hübsch zugedeckt.
In der Küche sitzen sich schließlich die Frau und Alban gegenüber.
Draußen dämmert der Morgen. Die Frau mustert das schmale Mausgesicht
wortlos und lange. Dann sagt sie ein Wort: "Alban". Mehr sagt
sie nicht.
Wer außer ihr hat je seinen Namen ausgesprochen? Alban lächelt,
verbeugt sich und antwortet: Ehre die Frauen und verachte ihren
Diener, den Alban. Die Frau denkt darüber lang nach und schüttelt
endlich den Kopf.
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IM GARTEN
Alban hat heute schon die Tiere gefüttert, Hufeisen ausgekratzt,
Unkraut gejätet und Wasser vom Fluß hoch geholt. Jetzt soll er
ins Haus kommen.
Alban mußte sich schnell entscheiden. Er rief:
Ich kann nicht, gütige Frau. Zwei Entenküken sind ausgebüxt und
die Katze stöbert im Garten herum."
Alban, wirst Du wohl flitzen. Von allein geht das hier nicht
zu und nach draußen kann ich so nicht."
Alban, der Diener, hörte die Küken im Gras, sah die lauernde Katze
mit zuckendem Schweif, vernahm zugleich das Rufen der Frau und
dachte: Immer eins nach dem anderen.
Deshalb nahm er einen Stecken auf und ging zunächst nach der Katze.
Die fauchte nach ihm, flüchtete endlich und verzog sich auf das
nächst höhere Plätzchen. Alban suchte und fand schnell die Tierlein,
barg sie in sein Hemd, wollte mit ihnen zum Stall.
Da stand die Frau vor ihm. Mit feuerrotem Gesicht.
Ich hab dich gerufen. Du bist nicht gekommen."
Der Junge deutete stumm auf die quakelnden Entlein. Er umging
die starre Frau, scheu, mit gesenktem Gesicht, und wußte doch
nicht, ob seine Beine ihn trugen. Endlich am Stall angelangt,
versorgte er die Küken; sie purzelten ihm fast aus den Händen.
Im Garten stand aber die Frau und zwang den Alban wieder zu sich,
ohne ein Wort, ohne eine einzige Geste.
Stets Ihr gehorsamster Diener", murmelte Alban. Oder auch nicht,
fuhr es ihm da in den Sinn und er schnellte los wie ein Pfeil,
rannte zur Hoftür hinaus, die schmale Gasse hinab bis zum Wasser.
Dort lag ein Nachen. In den sprang der Diener vieler Herrn, löste
die Kordel, sagte sich endgültig los von der Stadt und stieß sich
vom Ufer ab, so fest er nur konnte.
Von der letzten steinernen Brücke aus wirst Du ihn gerade eben
aus den Augen verlieren, den Alban. Weißt Du was? Dreh Dich rasch
um, schau in die andere Richtung. Da stehen schon immer die Berge,
blaugrau und still im schwachroten Glast dieses herrlichen Sommerabends.
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[Berkeley, 14. 16. Dezember 1998]
©1999 Gerhard Winkler (Text) |
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