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4. Teil
"Wichtige Mitteilung an Lukas persönlich. Bitte gleich nach dem Aufwachen lesen."
Lukas rieb sich die Augen. Neben ihm lagen eine leere Betthülle. Auch ein Leinensäckchen, Vor allem aber ein Brief.
Lukas las und das Herz wurde ihm schwer.
"Im Elfenwald, heutiges Datum. Lukas, mein Herzallerliebster, Du bist eindrucksvoll wie ein Berggewitter, Du imponierst mir wie ein Nordland-Drache und Du bist vor allem so süß wie der wilde Honig aus dem Waldelfental. Das mit der Betthülle war ein schwerer strategischer Fehler. Leider hat mich mein Vater, der König der Waldelfen mitgenommen. Bitte suche mich nicht, Du wirst mich nie finden. XXX Katja."
Da war noch ein PS.
"Du hast mir nie gesagt, daß Du mich liebst. Wenn ich nur ein belangloser Flirt für Dich war, dann vergiß dieses Schreiben."
Dann war da noch ein zweites PS.
"PS.PS. Mein Vater hat etwas davon erwähnt, daß er unbedingt heute eine Kgl. Jagdgesellschaft im Wald treffen muß."
Und noch schnell an den Rand des Schreibens gekritzelt:
"Hast Du Dich schon einmal gefragt, ob man Dampfrechner unbedingt mit Dampf betreiben muß?"
Das hatte er noch nie.
Lukas ahnte, spürte, wußte, er liebte dieses Mädchen. Er würde ihr nachgehen, sie egal welchem Elfenvater entreißen. Und mit ihr im Mondschein baden. Eher früher als später, wenn es nach ihm ging.

"Jetzt hab ich Dich", knurrte Dorflehrer Adam.
"Das weiß ich selbst", knurrte der Drache zurück.
"Ich werde Dich persönlich ausstopfen und im Dorfmuseum aufstellen."
"Das wirst Du fein nicht. Ich werde hübsch vor dem König gebracht und dann in den Zoo gesperrt."
"Du alter Drachenklugscheißer. Wahrscheinlich kennst Du jeden Paragraph des Drachenschutzgesetzes in- und auswendig."
"Klar doch. Ich war damals maßgeblich an seiner Ausarbeitung beteiligt."
Mit ein paar Handgriffen war der Drachenaufspür- und Bekämpfungswagen in ein mobiles Gefängnis verwandelt.
Jetzt, nach getaner Arbeit, da tat ein Drachenjägertee gut.
Aarkvardius erbat und erhielt auch sein Gläschen.
"Wohlan, Ihr Männer! Auf König Alfons, Königin Kremhilde und auf das Familienland!"
"Auf Alfons! Auf die Königin! Auf unser Familienland!"
"Und auch auf mich", murmelte Aaarkvardius
Ah! Das tat gut!

"Das darf doch nicht wahr sein. Wenn ich einmal ausschlafen könnte, da zauberspiegeln ausgerechnet Sie Dampfschrat mich an."
Die Königin war ziemlich ungehalten, Sir Zeiber darüber jedoch kein bißchen betroffen.
"Kremhilde, schauen Sie doch einmal in den Wald hinein. Das müssen Sie unbedingt sehen."
Dies tat die Königin.
"Was ist denn da pasiert? Khadifija allein? Sie weint? Wor radlet si ehin? Lukas allein? Ganz verzweifelt? Was hat diese Dampfpfeife meiner Tochter getan?"
Da klopfte es wieder im Spiegel. Ferngespräch aus dem Feenwald! Cousine Elsbeth!
"Das alles wächst mir über den Kopf", murmelte Kremhild. "ich brauche erst einmal meinen Tee."
zurück zum Seitenanfang "Mensch, Eberhard, wo haben Sie denn gesteckt? Sie Nachteule! Wohl ganz allein auf dem Anstand?"
"Einen wunderschönen guten Morgen, König Alfons! Nein, ich habe die Nacht mit Toni durchdiskutiert. Über musikalische Früherziehung. Ein sehr wichtiges und auch sehr fruchtbares Gespräch."
"Hai, Ebi! Guten Morgen, König Alfons. Gibt es noch starken Kaffee?"
Der war wohl notwendig zu dieser Stunde. Die Männer in ihren waidgrünen Joppen, schweren Hosen und derben Stiefeln, sie standen zünftig um den großen, dampfenden Kessel. Die vier Damen hatten schwere roten Umhänge übergeworfen und trugen passende, mit einer wippenden Auerhahnfeder geschmückte Käppis. Die schönen, schwarz und weiß gefleckten Hunde lagerten ein wenig abseits, spitzen manchmal die Ohren, legten dann wieder die schmalen Köpfe zwischen die Vorderläufe.
Nebelschwaden wirbelten über die Lichtung. Die Nemmerlanger Nadelspitzen glänzten golden auf.
"Was für ein wunder-, wunderschöner Morgen", seufzte Eberhard XXIII. "Ich könnte die ganze Welt umarmen."


"Geld her oder das Leben", befahl einer der Räuber.
"Was ist denn das für eine Alternative?", wunderte sich Lukas.
Die dunklen Gesellen hatten ihn in einem Hohlweg überrascht, umringten ihn jetzt, drängten zu ihm, zeigten grobe, schartige, altertümlich aussehende Waffen. Schauten sie eher neugierig als bedrohlich drein? Wer könnte das sagen? Doch mit der Sippschaft aus dem Räuberwald war nicht zu scherzen.
"Männer!" Lukas sah sich um. "Genauer gesagt, Frauen und Männer! Ich gebe Euch ohne Widerspruch alles, was ich bei mir trage. Außer den Quellkieseln, die braucht das Kgl. Dampfrechenzentrum in Verdana, sonst gehn auch hier im Wald bald die Lichter aus. Außerdem wüßte ich für mein Leben gern - nicht doch, Leute! Das ist nur eine Redensart - also, ich würde gern wissen, ob ihr einem gewissen Waldelfenkönig und seiner Tochter Katja begegnet seid. Sie hat sehr dünne Arme, aber auch starke Muskeln! Auch trägt sie gelbes Haar wie aus Bernstein und weiß sehr gut Bescheid über technische Dinge. Am meisten mag ich, ich meine, auch noch besondere Merkmale sind ihre Augen. Wenn einer behaupten will, er hätte je ein schöneres Mädchen gesehen, dann soll er jetzt vortreten. Ich bin Verdanischer Jugendmeister im Dampfboxen. (Das war ihm eben so eingefallen.) Ach ja, das Berg-Rad. Das ist übrigens dunkelgrün, mit achtzehn Gängen."
"Deine Beschreibung paßt, aber nur teilweise", entgegnete ein Schwarzbart.
"Prinzessin Khadifija ist heute früh vorbei geradelt. Auf einem gelben Rad mit silbernem Rückspiegel. Und hat eine kurze Rede gehalten. Wenn wir nicht fleißig den Wald aufräumen und einem gewissen Praktikanten namens Lukas helfen (sofern er vorbeikommt), dann werden wir alle noch vor dem Erntedankfest auf einen Dampfer versetzt!"
"Das kann doch nicht wahr sein", antwortete Lukas verdutzt.
Die Damen und Herren von der Räuberbande brüllten jetzt alle ziemlich durcheinander.
"Nicht helfen sollten wir; ihn aufhalten!"
"Das Rad war blau."
"Ganz im Gegenteil. Lukas abmurksen und abdampfen! So habe ich das verstanden!"
"Zwölf Gänge. ich habe zwölf Gänge gezählt. Und sechs Rückwärtsgänge."
"Ach was! Den Lukas sollen wir der Friedensmarine zum Erntedankfest ausliefern!"
"Abmurksen und abdampfen!"
"Falsch! Aufmurksen und abräumen!"
"Das Rad war grün!"
"Seid doch einmal still!" brüllte Lukas verzweifelt. "Ihr erzählt mir da Räuberpistolen. Das kann doch nicht Khadifija gewesen sein. Auf gar keinen Fall. Die Prinzessin radelt nicht mutterseelenallein im Forst. Was soll sie denn hier, zwischen Laub und Nadeln? Hier trifft sie keine Waisen, keine allein erziehenden Mütter, keine Kranken oder vom Schicksal sonstwie Geschlagene. - Na ja, wenn ich Euch so anschaue: vielleicht ja doch ..."
Mit einem Mal wechselte das Licht, wurde alles diffus und unheimlich anders. Die Waldleute verstummten, schauten beklommen zu Boden. Lukas trat aus der Gruppe. Da war jemand, umgeben von Hundegebell, von hellen Stimmen, von einem Lautenakkord.
"Steig auf Dein Rad, nimm diesen Weg, radle so schnell wie Du kannst. Vergiß die Bergkiesel nicht."
"Wer bist Du?", rief Lukas in die Bäume.
"Ich komme zur Hochzeit. Und Du, Lukas, ..."
Lukas schwang sich schon auf sein Gefährt.
"Drachen ergreift man, wie man eine günstige Gelegenheit packt. An der Nase!"
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