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5. und letzter Teil
Aufgeregt schlugen die Jagdhunde an. Blinkend und fauchend kurvte der mobile Nemmerlanger Mehrzweckdrachenwagen auf die Lichtung.
"Habt acht", befahl Dorflehrer Adam. "Grüßt Euren König!"
"Gu-ten Mor-gen, Herr Al-fons!" riefen die gut gedrillten Landdrachenjäger.
"Tag, König", murmelte Aarkvardius.
"Männer, das habt Ihr gut gemacht", rief der König begeistert. "Ein Lied!"
"Ja, das habt ihr wunderbar gemacht!", meinte Prinz Eberhard. Laßt Euch alle umarmen und küssen.
Das Damenquartett gruppierte sich um den Wagen und sang das Lied vom einsamen Drachen.
Aarkvardius verdrehte die Augen.
Dann sangen die Duodezfürsten zusammmen mit Moni, Vroni und Irmentrud einen Drachenkanon.
Aaarkvardius schnaubte kleine Wölkchen.
Eberhard hielt sich vorsorglich dicht hinter Toni.
Der Botschafter machte eine Gruppenaufnahme.
König Alfons befahl: "Das wird gefeiert" und ließ das Fäßchen Jägertee anrollen.
Aarkvardius erbat und erhielt auch sein Gläschen.
"Wohlan, Ihr Männer! Auf die tapfere Drachenbrigade. Auf Adam! Auf unser stolzes Familienland!"
"Auf die tapfere Drachenbrigade. Auf Adam! Auf unser stolzes Familienland!"
"Und auf mich!" Das war Aarkvardius.
Ah! Das tat gut!
Khadifija stieg vom Rad ab, mit glühenden Backen.
zurück zum Seitenanfang "Hallo Vater. Ihr Fürsten, Herr Botschafter, Herr Adam. Hallo, Ihr alle. Eberhard, laß das. Ich muß Dich was fragen: Gibst Du mich wieder frei?"
"Niemals", schrie der Prinz zurück. "Nie. Versprochen ist schließlich versprochen!"
Eberhards Augen glänzten listig. Er strahlte Toni an. Und lächelte sorglos und ein bißchen verächtlich in Richtung Khadifija.
"Außer, Du läßt selber diesen Drachen da frei. Auf der Stelle. Dann geb ich Dich auch frei."
Aarkvardius spitzte die Ohren, spannte alle Muskeln.
Mit zwei großen Schritten stand Khadifija am Käfig, schob eine schwere Stange zur Seite. Die Prinzessin war vielleicht dünn, aber sie hatte auch Muskeln.
Schwupps, war Aarkvardius wieder im Freien. Und hatte plötzlich eine jungfräuliche Prinzessin zwischen den Pranken.
"Eberhard, jetzt kommt Ihr Auftritt", zischte König Alfons.
"Auftritt abgesagt", zischte Eberhard zurück.
"Jetzt nur keine unüberlegten Schritte," warnte der Botschafter.
"Du darfst mich gern fressen. Solange mich bloß dieser Leuchtstreif nicht kriegt." Dies flüsterte Khadifija.
"Ich heiße Aaarkvardius," flüsterte der Drache Khadifija ins Ohr. "Und ich hasse Blutvergießen. Genau wie Du. Laß uns überlegen, wie wir beide da heil wieder herauskommen."
"Keinen Mucks, Adam!" Dies galt dem Dorflehrer. "An Deiner Stelle würde ich jetzt brav sein und Kreide fressen."
"Du, Zitterprinz. Ja, Du dort. Verzichtest Du auf alle ehelichen und sonstigen Ansprüche in Zusammenhang mit der Prinzessin Khadifija? Du hast keine Wahl. Sagst Du nein, dann laß ich Khadifija gleich auf Dich los. (Halt, das war falsch.) Ich meine, dann fresse ich die arme Prinzessin auf. Und Dich hinterher. (Igitt. Es ist nicht leicht, ein Drache zu sein.)
"Gut gebrüllt, Aarkvardius, "flüsterte Khadifija.
"Merci, Prinzessin. Vergiß nicht zu zittern, "flüsterte Aarkvardius zurück.
"Ebi, sei kein Frosch. Sag endlich nein", flehte Toni.
"Prinz Eberhard. Handeln Sie wie ein Mann. Geben Sie Khadifija frei", bat der Botschafter.
"Na schön. Ich verzichte", rief Eberhard und schaute sich beifällig um.

"Achtung! Hilfe! Beeilung!"
Der da rief, der sauste auf seinem Bergrad den Hügel hinab, steuerte unbeirrt und geradewegs auf das Drama zu.
Die Duodezfürsten spritzen zur Seite. Der Botschafter warf sich schützend auf das Damenquartett. Der König drückte sich dicht an das rollende Fäßchen. Prinz Eberhard aber, dem fuhr der rasende Radler genau über den Fuß.
Lukas hob es aus dem Sattel. Er segelte durch die Luft, schlug einen Salto, hielt sich am Nächsten und Naheliegendsten fest.
An den schwefelverkrusteten Nüstern von Aarkvardius.
"Schon wieder gefangen! Ja, ich ergebe mich", rief dieser schnell.
"Nicht schießen", bat Khadifija. Wehe, Ihr rührt mir den Drachen an."
"Khadifija, komm zu mir," rief König Alfons.
"Nein, Papa."
"Khadifija, laß sofort diesen Mann los."
"Halt die Klappe, Eberhard."
"Prinzessin, gehen Sie wenigstens ein Stück vom Drachen weg."
"Danke, Adam. Fein bemerkt. Bitte setzen."
Dann sagte Lukas:
"Und Ihr da, Ihr alle. Verwechselt nicht andauernd meine Katja mit Eurer dämlichen Prinzessin."
Die Jagdhunde hoben interessiert die Köpfe. Aarkvardius sträubten sich plötzlich die Nackenschuppen. Alle blickten sie interessiert Lukas an: Prinz Eberhard, die Nemmerlanger Drachenjäger, das Damenquartett, die gesamte Jagdgesellschaft und auch König Alfons.
Für einen Moment schwieg der ganze Wald. Schwieg auch das Verdaner Staatsradio. Schwieg der gesamte Verkehr in der Hauptstadt. War es überall still auf der Welt.
In die Stille hinein sprach Khadifija. Mit einer Stimme ganz aus Zimt und Vanille:
"Lukas, mein lieber. Gelobst Du nicht jedes Jahr am Familienlandtag, das Wohl von König Alfons und der gesamten Kgl. Familie zu mehren?
"Wohlan, für … ", hob Dorflehrer Adam an.
"Pssst", machten alle anderen.
Lukas sah Khadifija mit großen Augen an. Und nickte
"Ja also, ich gehöre halt auch dazu. Zu dieser Familie. Könntest Du Dich nicht deswegen und trotzdem vielleicht darauf konzentrieren, es mir und uns beiden recht wohlig zu machen?"
"Puh", sagte Aarkvardius. "Ach Leute, seid doch diskret. Schaut’s doch einfach weg."
"Wohlan, für … ", hob Dorflehrer Adam an. Schon wieder!
"Pssst", machten alle anderen.
"Verzeihen Sie mir, wenn ich so unhöflich bin und gleich die Zeitung aufschlage", bat Sir Zeiber.
Kremhilde, die Königliche Mutter, und der Große Alte Dampfmeister saßen an einem sehr zierlichen Teetisch auf dem sehr kurz geschnittenen Rasen in einem sehr lauschigen Innenhof des Palastes.
"Ich könnte glatt abdanken für diese delikaten Crèmetörtchen", seufzte die Königin. "Zeiber, altes Dampfroß, was gibt es Neues?
"Ja, was wird der Treue Staatsanzeiger morgen bringen?", dozierte Sir Zeiber . "Auf Seite eins: ‘Das ganze Reich macht immer noch Sommerpause’, ‘Bald Kemmerlanger Drachentage? – Bilaterale Gespräche zwischen König Alfons und Aarkvardius’ ... "
"Wie uninteressant. Nichts von meiner Tochter?"
"Von Khadifija keine Spur. Ah, da ist noch ein Korrespondentenbericht: ‘Sommerfestspiele bei den Waldelfen? Fast könnte man es meinen. Der älteste Teil des Räuberwalds scheint wie verzaubert. Auch munkelt man von nächtlichen Boots- und Badepartien …’"
Die Königin summte leise vor sich hin:

"Ecco uscir del Sol il Sole
e di Dio l’immmensa prole
tra gli orori spuntar fiori …"

"Kremhilde, was ist denn das für eine schöne Melodie?"
"Ach, das ist gar nichts!"

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[Kensington, 14./15.9.1998]
© 1999 Gerhard Winkler (Text)

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