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In einer von Nusrats Außentaschen piepste plötzlich eine Art Riesenmaus. Nusrat schlug nach ihr. Wie sich seine Pfoten gerade fest um sie schlossen, dämmerte ihm, dass dies nur sein Mobilfon sein konnte.

Wahrscheinlich hatte es sich in der Zwischenzeit von allein aufgeladen oder war wieder in eine Funkzone gerutscht oder dem Kasten war es einfach langweilig geworden und es verspürte gerade jetzt Lust auf ein kleines Schwätzchen.

Jedenfalls schnurrte und rumpelte der Apparat ungeduldig in Nusrats Pfote. Der Seekater drückte den Was denn nun schon wieder?-Knopf.

"Hier ist der Anrufbeantworter von
", tönte eine seriöse Stimme, "Nusrat Seekater" hörte Nusrat sich selber. Nach einer kurzen Pause knarrte der Ansager weiter: "Sie haben rund 6 neue Nachrichten. Eine davon ist belanglos, drei sind familiär, eine ist, ehrlich gesagt, gespickt mit unverständlichen Wendungen. Zum Abfragen Ihrer Nachrichten drücken Sie bitte die 9."

"Das letzte Mal war es noch die 1", grummelte Nusrat.
- "Hallo, alter Wassertreter. Hab gerade meine Bestätigung für die Weihnachtsfeier erhalten. Du bestimmt auch schon. Ich sitze hinten am Tisch 4, zusammen mit Toby und Leo. Meld dich mal. Und Tschüss!"
- "HOHO nusrat WIR SINDS FRIEDRICH KARL UND JOHANN WAS GIBTS HEUTE BEI DIR ZUM TEE HERINGSLEBKUCHEN FISCHGEBÄCK ZITTERFELDER HERINGSKÖPFE HOHO "
- "Hello, dies is Jelly Kelp von die Mondari Bay Observatory. Ich nütze die Gelegenheit, Nousrad, um mich in deine Sprach zu üben. Möchtest du nicht nächstes Sommer wieder das Mondari Bay Research Team leiten? Und wie ist das mit die unsere Xmas-Party? Hast du unsere c-mail nicht gekriegt? Actually, we need you for blowing the candles out. Take care and bye-bye."
- "Nusrat, ich bins. Ich ... erinnerst du dich, wie du einmal zu mir gesagt hast: "Rosinchen, es fällt mir schwer, in dir nur eine Kusine zu sehen." Da wollte ich dich am liebsten in meine Arme nehmen. Und dass ich es damals nicht gemacht habe, das tut mir aufrichtig leid. Und dann hast du gegrinst und hast gesagt: "Du bist so viel mehr für mich: Die größte Nervensäge zwischen Seealpen und Nordstrand." Ja, das hab ich dir auch nicht vergessen. Und dass ich dich damals sofort über Bord geworfen habe, das tut mir eigentlich nicht leid. Auch heute noch nicht."
- "Nusrat, ich bins wieder. Ich wollte dich bloß anrufen, um dir zu sagen, wie froh ich bin, dass du den Zitterfeld-Auftrag für mich erledigst. Das ist lieb von dir. Du musst dich ja wundern, warum du nichts von mir hörst. Beim Warten auf dieser Hallig bekam ich plötzlich die schrecklichste Heringsallergie, die du dir vorstellen kannst. Ich war schon ganz grün im Gesicht, ehrlich. Alle Gräten taten mir weh. Einfach scheußlich; ich wusste mir gar nicht mehr zu helfen. Die Küstenwache hat mich dann im Hubschrauber ins Altonaer Maritimkrankenhaus transportiert. Dort liege ich in Quarantäne, stell dir das einmal vor! Kein Wasser, kein Salz und absolut keinen Fisch. Jetzt geht es mir aber schon ein bisschen besser. - Ah, schon wieder eine Spritze! Einen Augenblick, Schwester. - Ich melde mich später. Machs gut!"

Nusrat seufzte, drückte eine Taste und befahl: "Eigenen Kalender bearbeiten." Das Mobilfon antwortete: "Wählen Sie halt eine Kalenderfunktion aus."

"Habe ich schon einen Eintrag für Juli August nächstes Jahr?"

"Ja: ein einziger dicker Balken von 1.7. 31. 8. Daneben steht: Uh-Uh-Ah."

"U-U-A?"

"Uh, ja. Klein-U, Groß-U, Groß-A. Könnte unter Umständen bedeuten Ungeliebte Unternehmungen Aufschieben."

"Nein, ich erinnere mich. Unter Umständen Abenteuer. Setze bitte sofort eine C-Mail auf an Jelly Kelp. Hello, Jelly. Thanks for your kind invitation. Could you imagine that I have to transport 50 - je nun "

"Tons?", schlug das Mobilfon vor.

"Barrels", entgegnete Nusrat. "To transport 50 barrels of green herring to Shakersfield."

"Wie schreibt man barrels?", fragte das Mobilfon.

"Wie lange läuft eigentlich der Mietvertrag mit deiner Firma?", fragte Nusrat zurück.

"Noch 33 Jahre, 11 Monate, 14 Tage und 3 Stunden. Oh, ich habe einen Anrufer in der Leitung. Soll ich ihn durchstellen?"

"Ich bitte darum", knurrte Nusrat.

"Hallo?"

"Guten Tag. Hier ist der Kundendienst des Beckenflotter Küstenorakels mit einer kostenlosen Prognose für Nusrat Seekater. Bitte beachten Sie, dass wir Aktualisierungen nicht gereimt, sondern als Parabel verkünden."

"Na, dann verkünden Sie mal."

Warnung an Nusrat in Form einer Parabel

Kaiser Muij gelang es lange nicht, den in vielerlei Schlichen bewanderten Kater Mo zu täuschen. Wenn ich Mo mit einem vorgetäuschten Auftrag zur Drachenschleuse schicke, klagte der Kaiser, wittert Mo sofort den Hinterhalt und wird die Drachenschleuse umgehen. Schickt ihn einfach nach Cam Po, riet die Kaiserin. Dann wird Mo seine Vorkehrungen auf Cam Po ausrichten und gänzlich arglos sein, wenn er unterwegs die Drachenschleuse passiert.

"Mo? Po? Wie darf ich denn das verstehen?", fragte Nusrat.

"Tja, Du Seeratte mit Sparabitur. Diese Nuss kannst du nicht knacken", höhnte das Orakel.

"Sie! Beleidigen Sie nicht den Besitzer dieses Mobilfons!", schaltete sich das Mobilfon ein.

"Was nölt denn da im Hintergrund? Ein ambulanter Kommunikationsknochen?", brüllte das Orakel. "Aus der Leitung!"

Nusrat nahm kopfschüttelnd den Hörer vom Ohr, seufzte laut auf und drückte die Schluss! Aus!-Taste. Und bemerkte etwas. Das Etwas stand am Ufer. Am Ufer stand eine Stange. Darauf ein Schild. Mit der Aufschrift: DRACHENSCHLEUSE. 2 KM.

Und kurze Zeit später stand da eine zweite Tafel: DRACHENSCHLEUSE. Nur noch 1 KM.

Und gleich hinter der Biegung der dritte Hinweis. Mit zittriger Schrift auf eine verwitterte Holzplanke gepinselt: DRACHENSCHLEUSE. Kurzfristig um 500 Meter nach hinten verlegt.
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